Zwischen Plattenbauten und Palästen: Ein Hoch auf die architektonische Schönheit
Shownotes
"The Pioneer Briefing" kostenlos als Newsletter abonnieren: http://bit.ly/40vucZ8Jörg Thadeusz steht in Ravenna und muss umdenken. Ein Ostgote war für ihn bisher der Mann in der dreiviertellangen Camouflage-Hose, der um 6.35 Uhr im Mallorca-Flieger Vodka-Red-Bull trinkt und spätestens um sieben „Layla“ singen will. Dann lernt er Theoderich den Großen kennen, den König der Ostgoten, und dessen früheren Palast. Von außen ist er ein schlichtes Backsteinhaus. Innen schimmern Mosaike, die 1600 Jahre alt sind und aussehen, als wären sie gestern fertig geworden. Jörg fragt sich, welche Schlüsse man daraus eigentlich für eine Gegenwart ziehen kann, in der ein Viertel der Berliner die Linkspartei wählt, weil sie die Wohnungsnot mit Umverteilung lösen will? Und in der in Brandenburg 56 Prozent für AfD, Linke oder BSW stimmen würden? Welches Gebäude von heute wird in 1600 Jahren noch Eintritt kosten?
Jörg fragt die, die bauen. Beim Architekturgipfel des Callwey Verlags in München verbringt er Zeit mit 500 Architektinnen, Bauherren und Innenausstattern. Florian Nagler, gelernter Zimmermann und Professor an der TU München, erzählt, wie es mit einer Scheune und einem alten Dachstuhl anfing und mit dem Schmuttertal-Gymnasium in Diedorf weiterging. Der Ingenieur Jochen Großmann erklärt, warum man manchmal auch einer Flause folgen muss. In Schipkau, wo früher Braunkohle abgebaggert wurde, geht im November sein Windrad ans Netz: Mit 365 Metern ist es das höchste der Welt. Und in Berlin haben Benita Braun-Feldweg und Matthias Muffert ein Einfamilienhaus aus den 50er-Jahren in ein Ensemble für 36 Menschen verwandelt. Es geht um Plattenbauten in Marzahn und die Milliarden, die der BER mehr gekostet hat, um „Die Säulen der Erde“, um Udo Jürgens und die Commodores. Es geht um Nachmittage im Baumarkt und darum, was herauskommt, wenn man Inspiration mit dem Gerechtigkeitsrasenmäher kurz hält.
Ein Wort zum Sonntag über Architektur, Erfindergeist und die Lust, etwas zu erschaffen. Die Erkenntnis: Wahlergebnisse sind vorläufig. Was bleibt, sind Mosaike, Türme und Lieder.
Dieser Podcast enthält u.a. folgendes Tonmaterial:
Film: Die Säulen der Erde (Deutschland, Kanada, 2010) Regie: Sergio Mimica-Gezzan, Produktion: John Ryan
Redaktion: Nina Hecklau und Kira Braun Produktion: Mikolaj Wirz
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