Zwischen Neugier und Naivität – der Plausch mit Höcke

Shownotes

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Jörg Thadeusz über Gewerkschaftsromantik, Empörungskultur – und das seltsame Selbstbild der deutschen Funktionärsmilieus.

Wer sind die Menschen, die auf Gewerkschaftskongressen gegen den Bundeskanzler buhen? Jörg Thadeusz zeichnet das Porträt eines Mannes, der sich als Anwalt der kleinen Leute versteht – zwischen D-Jugendtraining, BMW-Motorrad, Reihenhausgarten und Wohnmobilurlaub durchs Baltikum.

Mit satirischer Präzision erzählt Thadeusz von einem Milieu, das sich kämpferisch gibt, den eigenen Wohlstand aber längst eingerichtet hat.

Vom reflexhaften Widerstand gegen jede Zumutung, vom Ritual der Dauerempörung – und von der Frage, ob sich manche gesellschaftliche Debatten inzwischen mehr um Befindlichkeiten drehen als um Wirklichkeit.

Ein Wort zum Sonntag über Protest als Lebensgefühl, den deutschen Gewerkschaftsgeist – und die große Sehnsucht, gleichzeitig rebellisch und bequem zu sein.

Pioneer Briefing Weekend Edition Redaktion: Stefan Rupp

Pioneer Briefing Weekend Edition Produktion: Mikolaj Wirz


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Transkript anzeigen

00:00:01:

00:00:08: Ein wunderbarer guten Morgen.

00:00:10: Mein Name ist Jörg Thaddeus und ich freue mich, Sie mit dem Wort zum Sonntag in den Tag begleiten zu dürfen.

00:00:15: heute ist Sonntage der zehnte Mai.

00:00:29: Deutscher Geist von heute, Benjamin List.

00:00:32: Achtundfünfzig Jahre alt, Nobelpreis zwei Tausendeinundzwanzig für Chemie, Max Planck-Institut Müllham an der Ruhe und nur Gündür Kühn.

00:00:53: Die Liste ließe sich lang und länger fortsetzen.

00:00:56: Ich habe erst einmal nur Persönlichkeiten genannt, mit denen ich schon selbst sprechen durfte.

00:01:00: Deutschland ist ein Land voller kluger Frauen und Männer.

00:01:03: Viele von ihnen sind nicht berühmt und müssen womöglich zu ihrem eigenen Glück überhaupt keine Promis

00:01:08: sein.".

00:01:09: Die beiden deutschen Jill-Opha-Rim und Pietro Lombardi sind vielen Menschen bekannt, haben aber Schwierigkeiten zu benennen wie der Vogel heißt.

00:01:19: Der Kuckuck macht wenn er ruft.

00:01:22: So wir konzentrieren Ruhe.

00:01:24: welches Tier suchen wir?

00:01:28: Gill?

00:01:29: Uhu.

00:01:30: Heule!

00:01:30: Uhu ist kein Tier u is

00:01:32: kleber.

00:01:34: Öffentliche Gespräche mit geistvollen Menschen können höchst unterhaltsam sein.

00:01:38: sie können beruhigen Weil sich auch der gebildete Mensch vor seinem Ende fürchtet, für seine Beklemmung aber ein schöneres Wort findet.

00:01:46: Sie können aufregen weil er befragte womöglich ganz anderer Meinung ist als man selbst.

00:01:50: Sie könnten inspirierend sein, weil ja vielleicht die Frage aufkommt was es braucht damit ich nur für einen Moment vergleichbar funkeln kann wie es der helle Stern Roger Wilhelmsen so dauerhaft vermochte.

00:02:03: Zwei Tausend Sechzehn viel zu früh gestorben.

00:02:06: Einer der allerbesten Gesprächs-Gastgeber, die das deutsche Fernsehen je hatte!

00:02:11: Zweitausend Fünfzehn habe ich ihn nach seinen bedeutendsten Gesprächserlebtnissen gefragt.

00:02:17: Also Arafat war sehr beeindruckend, Dalalama war sehr beantragt.

00:02:20: König Hussein von Jalanien war sehr Beeindruckend.

00:02:22: Aber ich erinnere mich an eine ganze Reihe ganz unscheinbarer Menschen Die weitgehend vergessen sind und imponierend waren.

00:02:29: Was hat ihr an den

00:02:30: Imponier?

00:02:31: Weil sie plötzlich amoralisch sein konnten, weil sie mich überrascht haben.

00:02:34: Weil sie eine grundsätzlich gebende Ausgangsposition zeigten.

00:02:38: Also etwas mitbrachten in der Sendung.

00:02:40: Weil Sie gerührt waren!

00:02:41: Weil sie mich infrage stellten... Ich erinnere mich auch an Fälle wo ich mich hinterher für mich generiert habe.

00:02:46: Also sich durch ne Sendung infrage stellen zu lassen das ist was schon im Team

00:02:50: sich selbst in Frage stellen lassen.

00:02:52: Das passiert nicht, wenn man als Gastgeber oder Gastgebirin nur bei Kasten Linnemann die entsprechende Taste drückt damit er eine Floskel auswirft.

00:03:00: jetzt mal ins Machen kommen.

00:03:01: sollte Lars Klingbeer wieder einmal die Luft anwärmen indem er über die Demokratie in Gefahr spricht ist das jenseits von langweilig.

00:03:09: es könnte einfach nicht sein und es entstünde kein Verlust.

00:03:13: beide bleiben aber trotzdem Interessante Gesprächspartner.

00:03:16: Ihr Gegenüber muss dem Kasten, dem Lars der Werbel wie dem Friedrich aber abverlangen als erwachsene Persönlichkeit ernst genommen und entsprechend behandelt zu werden nicht wie ein schickgemachter Mikrofonständer.

00:03:28: mittlerweile kann sich jede und jeder vor hinter oder nebenan Mikrofonsätzen hineinsprechen und die entstandenen Geräusche veröffentlichen.

00:03:36: das ist sehr demokratisch schön.

00:03:38: unterschiedlos haben sich die Enthusiasten der neuen digitalen Möglichkeiten immer und immer wieder begeistert.

00:03:44: Aus den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren gibt es dieses ganz typische Bild der Familie, die vor dem Fernsehschrank sitzt und endlich gucken kann.

00:03:52: Ähnlich prototypisch könnte das Bild von Menschen in unserer Zeit werden.

00:03:56: Frauen und Männer in den zwanziger Jahren des einundzwanzigsten Jahrhunderts sitzen nicht vor dem Eisbecher.

00:04:03: heiße Liebe für zwei Personen sondern mit Kopfhörern vom Mikrofon in gut aussehenden Stühlen.

00:04:08: Im britischen Magazin Die Economist stand kürzlich, dass bei der nächsten Präsidentschaftswahl-Zweitausendundzwanzig erstmals ein Podcaster Präsident der Vereinigten Staaten werden könnte.

00:04:19: Der hart rechte Taka Carlsen erreicht bis zu zwanzig Millionen Menschen.

00:04:23: Er hat Donald Trumps Erfolg unterstützt aber jetzt mit ihm gebrochen.

00:04:27: Benjamin Bernd hat in Köln ein schönes Studio für sich und seine Gäste gefunden.

00:04:32: Sein Podcast heißt Ben Unscripted.

00:04:35: Ben ist ein gut aussehender, durchtrainierter Mann.

00:04:37: Er hat erfolgreich einen Unternehmen gegründet, ist Vater und beschreibt auf seiner Seite seine Wandlung von einem korpulenten Jungen zu einem Mann der über das Duell im Kampfsport zu innerer Ruhe gefunden hat.

00:04:48: Jetzt hatte er den thüringischen Landesvorsitzenden der AfD Björn Höcker eingeladen.

00:04:54: Ich hoffe, dass Sie mir die Tür in Ihre Welt aufmachen.

00:04:58: Damit ich verstehen kann wie die Welt funktioniert.

00:05:00: und das kann ich nicht indem ich sie in die Zange nehme und sage den aber bis

00:05:03: heuert.".

00:05:04: Nun wenn möchte man ihm sagen Wenn Herr Höcke mutig wäre würde er dir eine Tür in eine Welt öffnen die es schon mal gab.

00:05:13: Er hat an verschiedenen Stellen aufgeschrieben und an den unterschiedlichsten Stellen gesagt, wie er sich das mit einem reinen Volk vorstellt oder zwischen den Geschlechtern.

00:05:23: Die Polarität der Geschlechter solle Höcke kultiviert werden.

00:05:28: Das heißt beim Mann die Wehrhaftigkeit, Weisheit und Führung und bei der Frau die Intuition, Sanftheit und Hingabe.

00:05:36: Obwohl das alles überall nachlesbar ist behauptet Herr Höcke ständig, er würde in seiner Meinungsfreiheit unterdrückt.

00:05:43: Dabei hat man ihm sogar ein Staatsexamen gegeben, obwohl er nachweislich ein schlechter Geschichtslehrer ist.

00:05:49: Denn vor Gericht behauptete Björn Höcke, er hätte nicht gewusst dass alles für Deutschland die Losung der Sturmabteilungen also der SA der NSDAP war eingraviert in die Dienstdolche der SA Also der hunderttausende starken Truppe von Proleten Nichts nutzen und Dummköpfen Die auf offener Straße jüdische Menschen totgeschlagen haben.

00:06:10: Davon weiß Ben nichts und möchte dazu auch nicht wissen, auch wenn alles für Deutschland so sehr zu Björn Höcke gehört.

00:06:17: Dass er am zwölften Dezember zwei tausendundzwanzig als Redner auf einem Stammtisch der AfD in einer Gasthitte in Gera erneut diese Parole wiederholte.

00:06:27: dabei sagte er die Worte Alles Für Selbst Und forderte die Anwesenden durch Armbewegungen Auf Die Parole mit Deutschland Zu Vervollständigen.

00:06:38: Ich will verstehen, wer sie sind.

00:06:40: Es ist eine Tugend dem Gast gut zuzuhören wie es Benjamin Berndt tut.

00:06:44: Ist es auch Unsinn Björn Höcke zu einem Leibhaftigen zu demonisieren?

00:06:48: Selbst ein langartiges Gerede bei Benjamin Bernt zeigt ihn als den verdrucksten langweiligen Fahrradspießer der er auch ist.

00:06:56: Das kann oder will Benjamin Berth aber nicht verstehen.

00:06:59: Auch ein Björnhöcke kommt nicht nur in der Form daher, wie er freundlich bei ihm in der Plauderkammer sitzt.

00:07:05: Als ein einem Fernsiduell mit dem CDU-Politiker Mario Vogt vor der Thüringenwahl unter Faktendruck geriet wurde der sonst so Sonoro Höcke plötzlich so schrill wie seine eigene Kegelschwester.

00:07:16: Diejenigen, die ihn so einfach mit führenden Nationalsozialisten vergleichen, interessieren sich nicht genug für Geschichte.

00:07:22: Die ehemalige SPD-Vorsitzende Saskia Esken sah damit einer solchen Gleichsetzung schon einmal in einem Studio des österreichischen Fernsehens ziemlich alt aus.

00:07:30: Denn Leute wie Björn Höcke, Alice Weidel oder Tino Krupalla ziehen sich zwar die benutzten Schlüpfer des Tausendjährigen Reiches gerne noch einmal an!

00:07:39: Aber damit werden sie noch nicht zu den Mördern und Menschen schindern, die viele der Spitzennazis schon waren.

00:07:45: Ehe sie neunzeitdreißig die Macht ergriffen!

00:07:48: Naivblöde durch ein Gespräch mit Björn Höcke zu tappsen ist Benjamin Berns gutes Recht.

00:07:53: Neugierigere und kompetentere Höckebeobachter haben die charakterliche Heslichkeit dieses merkwürdigen Lehrerkens schon klar beschrieben.

00:08:01: Der ungeskriptete Ben ist stolz auf die hunderttausende Hörer, die auch sein Gespräch hat.

00:08:08: Dabei kann er froh sein, dass bei diesen Hörerinnen und Hörern keiner überprüft.

00:08:12: Ob die wirklich wissen wie das nochmal klingt?

00:08:15: Was der Kuckuck ruft!

00:08:17: Schön, dass Sie pioneer zuhören.

00:08:19: Vielen Dank, dass ich sie in diesem Sonntag begleiten durfte.

00:08:21: Ich wünsche Ihnen allen viel Sonne- und einen gelungenen Wochenstart.

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